Eine Woche Rasenmähen

Auf dem Weg zur Wiese
Auf dem Weg zur Wiese
Beim Heu wenden
Beim Heu wenden
Sensenkurs
Sensenkurs

Während andere diesen Sommer an Mittelmeerstränden beinah zerschmolzen sind, fuhren wir mit dem BUND Dresden ins tiefste Erzgebirge. Denn auch dort kann man wunderschöne Urlaubstage verbringen, mit allem was dazugehört: Wandern, Natur, Baden, Bildung – und Sensen.

Jeden Morgen nach dem Frühstück zog die bunt zusammengewürfelte Gruppe liebenswerter Menschen in den Zechengrund. Dieser scheinbar hinterste Zipfel Deutschlands ist ein Naturschutzgebiet, in dem viele seltene Pflanzen wachsen. Um diesen weiterhin Platz zum Wachsen zu ermöglichen, müssen die Wiesen regelmäßig gesenst werden. Dank unseres Sensenlehrers Klaus lernten wir das Handwerk recht zügig - auch in Hanglage. Von nun an waren die vier steilen Wiesen im Zechengrund täglich mit fleißigen Senserinnen und Sensern übersät. Wer nicht senste, der stutze einige Hecken und Bäume, oder widmete sich dem bereits gemähten Gras, welches nach genügend trocknenden Sonnenstrahlen und oftmaligem Wenden zu Heu wurde.

In der einen Ecke wurde sich beim Arbeiten angeregt unterhalten, in der anderen das meditative Sensen und Rechen in Stille genossen. Nach getaner körperlicher Arbeit und dem einen oder anderen erfrischenden Bad im Teich, traf sich die Gruppe abends noch für etwas geistige Arbeit. So gab es beispielsweise Kräuterwanderungen und botanische Führungen, einen Besuch in der Wetterwarte auf dem Fichtelberg oder Vorträge zur Arbeit des BUND. Alles stets sehr interessant und immer wieder ein neuer Anlass, für weiteren anregenden Austausch untereinander. Das gute tschechische Bier und die angenehme Erschöpfung nach einem ganzen Tag körperlicher Arbeit ermöglichten uns schließlich stets einen guten nächtlichen Erholungsschlaf. Neben dem Sensen und den vielen spannenden thematischen Anregungen waren es vor allem die Menschen und der Zusammenhalt als Gruppe, durch welche die Woche zu einem wunderschönen Erlebnis wurde. Da brauchte es gar keinen Mittelmeerstrand.

Vielen Dank an Johanna Melcher, die den Text für uns geschrieben hat!

Fast die ganze Gruppe

Tagesbericht

Der zweite Erfahrungsbericht wird den nächsten Teilnehmern vielleicht ein paar Tipps mitgeben. "Es ist ziemlich schwer einzuschätzen, welche Kleidung insbesondere Schuhe man einpacken soll, wenn man die Gegebenheiten dort nicht kennt. Es ist sehr steil aber halt auch ziemlich nass." sagt Grit Petzold, die nachfolgenden Erfahrungsbericht geschrieben hat.

Montag: 1. Tag - Anreise

Kennenlernen
Kennenlernen

Montag kamen wir alle in unserer Pension auf der tschechischen Seite von Oberwiesenthal an. Teils mit dem Zug und teilweise mit dem Auto.

Während der erste Teil des Teams bereits das Gelände erkundet hatte und Gottfried und Stefan noch einiges über die Besonderheiten berichteten, stießen wir erst später zu der Gruppe (das Los der berufstätigen Bevölkerung).

Dienstag: 2. Tag - Sensenkurs

Flexibel bleiben
Flexibel bleiben

Am Dienstagmorgen ging es nach einem reichhaltigen Frühstück zu Fuß los. Unterwegs holten wir noch die Geräte am Parkplatz ab. Nach einer kurzen Einweisung bezüglich des korrekten Transports der Geräte (nicht das wir schon vorher die Vorderfrau/den Vordermann mit der Heugabel aufgabeln) nahmen wir noch das letzte Stück zu den Wiesen.

Dort angekommen machten wir es uns quasi erst einmal gemütlich und richteten uns „häuslich“ ein. Nun kam noch die unvermeidliche ausführliche Arbeitsschutzbelehrung im Umgang mit den einzelnen Geräten. Aber wir wollten ja auch alle Spaß haben und heil und gesund wieder nach Hause kommen.

Gleich im Anschluss ging es dann auch schon wirklich los mit dem Mähen. Also zumindest für die erste Hälfte der Gruppe. Denn Gottfried hat Herrn Jürgen Teucher vom Naturschutzzentrum Erzgebirge eingeladen mit der zweiten Hälfte der Gruppe eine Führung inklusive Pflanzenbestimmung durchzuführen. Dabei haben wir eine ganze Menge (mir schwirrte danach ganz schön der Kopf-und alles merken konnte ich mir auch nicht) über die heimische und sehr spezielle Flora und Fauna erfahren. Ein Highlight war dabei auf jeden Fall die Sichtung einer Raupe des Schwalbenschwanzes, eines dort gelegentlich zu bewundernden Schmetterlings. Übrigens braucht irgendwie jede Schmetterlingsart auch eine oder vielleicht auch mal mehrere bestimmte Pflanzen. So verwundert es also nicht, dass wir in der Stadt nicht so viele wunderschöne Schmetterlinge sehen können. Außerdem wurde uns noch einmal erläutert, warum wir eigentlich die Bergwiesen mähen. Auf den Wiesen ist sowohl das Fuchs` Knabenkraut, eine einheimische Orchideenart, der blaue Tarant, auch Sumpfenzian genannt, sowie auch Arnika zu Hause. Diese sind schon ziemlich selten geworden. Damit diese Pflanzen sich wieder vermehren können und nicht von dominanteren Pflanzen verdrängt werden, müssen die stärkeren Pflanzen regelmäßig zurecht gestutzt werden. Auf den steilen Bergwiesen ist dies jedoch mit konventioneller Technik nicht möglich.

Nach dieser sehr ausführlichen Tour kam auch die zweite Gruppe in den Genuss in die alten Techniken des Sensenmähens durch unseren dafür extra engagierten Sensenlehrer Klaus eingeführt zu werden. Er erklärte uns die einzelnen Teile der Sense, damit auch wir so halbwegs mit den notwendigen Fachbegriffen umgehen können. Denn wer würde sonst ahnen, dass es sich bei der Warze nicht um einen Pickel auf der Nase handelt sondern um den kleinen Spike, der eben in das Warzenloch kommt,  um das Blatt schon ein wenig gegen das Verrutschen zu sichern. Auch den Bewegungsablauf erläuterte er uns eingehend und führte ihn sehr anschaulich vor. Denn wenn dies nicht richtig gemacht wird, tut einem entweder alles weh oder die Sense geht kaputt…oder beides. Nachdem die Sensenbäume auf unsere anatomischen Gegebenheiten angepasst wurden, stürzten wir uns sodann in das Vergnügen. Wobei es nicht nur pures Vergnügen war. An den Hängen war es nicht so leicht einen guten und sicheren Stand zu haben. Auch meinte es die Sonne an diesem Tag echt gut mit uns. Bei ca. 30 ° C kam man schon ganz schön ins Schwitzen.

Am späten Nachmittag ging es dann für alle wieder zurück in die Unterkunft. Natürlich zu Fuß. Nach einem leckeren vegetarischen Abendbrot trafen sich alle noch zu einem gemütlichen Filmabend.

Abends fing es an kräftig zu regnen und zu gewittern. Dies hielt zwar nicht lange an, aber die Hoffnung auf trockenes Heu sank dennoch.

Am Hang
Am Hang
Picknick
Picknick
Werkzeug
Werkzeug

Mittwoch: 3. Tag - Mähen

Am nächsten Morgen kamen wieder alle erst einmal zum Frühstück zusammen, wobei einige noch nicht ganz so munter aussahen. Es gab zwar Kaffee, aber wir hatten uns extra löslichen Kaffee auf Grund der Erfahrungen der Vorjahre mitgebracht. Da wohl der tschechische Kaffee nicht der wahre Muntermacher sein soll.

Halb neun machten wir uns dann wieder auf den Weg zu den Wiesen. Heute war das Wetter sehr angenehm. Es war nicht zu warm und trocken war es auch. So versuchte es Stefan doch noch einmal auf dem oberen Teil der Wiese 1 das Gras zu mähen damit Heu gewonnen werden konnte.

Nachdem wir uns am Vortag auf der Wiese 2 abgemüht hatten und dort teilweise mit den Füßen im Morast der kleinen Quellen stecken geblieben sind, durften einige heute auf die etwas trocknere Wiese 1. Wobei auch hier kleine Bäche ins Tal hinabflossen. Denn es handelt sich nicht nur um Bergwiesen sondern um Quellwiesen, die die ganz besonderen Verhältnisse für die seltenen Pflanzen bieten. Auf Grund der steilen Hänge ist es jedoch sehr schwierig mit Gummistiefeln diese zu erklimmen. Somit sind feste Schuhe, die auch Nässe halbwegs abhalten sollen, unerlässlich.

Am Nachmittag ging es dann zurück in die Pension. Denn es erwartete uns noch eine Wanderung auf den Fichtelberg zu der dort gelegenen Wetterwarte.

Oben angekommen, teils zu Fuß teils mit dem Auto, begrüßte uns die diensthabende Meteorologin Claudia Hinz. Sie erzählte uns viele interessante Dinge über die Wetterstation, die bis 31. Dezember 2014 eine der zwölf Klimareferenzstationen war. Leider soll die Wetterstation demnächst nur noch automatisiert betrieben werden und damit eine über 100-jährige Ära der Wetterbeobachtung zu Ende gehen. Außerdem berichtete uns Frau Hinz sehr bildhaft über spannende Wetterphänomene. Auf dem Turm der Wetterwarte konnten wir einen wunderschönen Sonnenuntergang bewundern und so den Abend ausklingen lassen.

Auf der Weise
Auf der Weise
Wetterwarte
Wetterwarte
Fichtelbergblick
Fichtelbergblick

Donnerstag: 4. Tag - Heu Heu Heu

Auch am Donnerstag ging es pünktlich halb neun raus zu den Wiesen. Leider war es heute kühl und trüb und als wir bei den Wiesen ankamen fing es auch noch an zu regnen. Während der Großteil der Gruppe noch die Reste der Wiesen 1 und 2 mähten und bereits begannen das Gras zusammen zu rechen und abzutransportieren, machten wir uns auf zu Wiese 3 um auch diese in Angriff zu nehmen und zu mähen. Diese war flächenmäßig nicht so groß und so schafften wir es zu viert die Wiese komplett  fertig zu bekommen und bereits den ersten Teil des Grases in den Wald zu bringen. Am Nachmittag verabschiedeten wir uns von unserem Sensenlehrer Klaus, der uns die ganzen Tage mit seinem Wissen, mit Rat und Tat zur Seite stand und unsere Sensen mit seinem Dengelapparat immer wieder auf Vordermann gebracht hat. Natürlich hat er uns auch sehr beim Mähen der Wiesen unterstützt.

Dann mussten auch wir uns ganz schön beeilen wieder zurück in die Pension zu kommen. Denn während ein Teil der Gruppe beim Kräuterworkshop leckeren Kräuterquark mit heimischen Kräutern zubereitete, waren wir dafür verantwortlich im Teich von Pawel, einem Kumpel vom Pensionswirt, ein paar Forellen für den Nachtisch zu fangen. Da dies ein Zuchtteich für Forellen war, haben wir es zu Dritt geschafft innerhalb einer Stunde sechs Forellen zu fangen. Naja eigentlich waren es ja sieben, aber ein recht großes Exemplar von gut 40 cm musste zur weiteren Zucht wieder zurück in den Teich.

Da wir bereits wieder am Donnerstagabend den Heimweg antreten mussten, durften zwei der Forellen mit uns nach Hause fahren.

Im Rückblick waren es drei anstrengende aber schöne und ereignisreiche Tage. Wir haben uns auf jeden Fall schon mal für das nächste Sensencamp vormerken lassen.

Heu und Spass dabei
Heu und Spass dabei
Kräutersalz herstellen
Kräutersalz herstellen
Fische grillen
Fische grillen

Freitag: 5. Tag - Werkzeugtransport

Heute stand auf dem Tagesprogramm: alles wird fertig. So haben wir wieder kräftig angepackt und das letzte Heu beräumt. Natürlich haben wir uns auch Pausen gegönnt, denn die Tage merkt man langsam in den Knochen.

Am Nachmittag gab es eine gelungene Auszeit, wo wir uns auf einer benachbarten Wiese mit der Gruppe der NAJU trafen. Diese Sommerfreizeit geht über 2 Wochen und beinhaltet sowohl Umweltbildung, Exkursionen und Heu Abtransport. Bei Kaffee und Kuchen haben wir Erfahrungen ausgetauscht und mit Gruppenspielen alle erheitert.

Am Abend nach dem gemütlichen Abendbrot gab es einen sehr spannenden Vortrag zu Naturschutz - von der großen Bühne bis zur Wiese vor Ort von Magnus Wessel, der extra aus Berlin gekommen war.

Werkzeugtransport
Werkzeugtransport
Treffen mit NAJU-Gruppe
Treffen mit NAJU-Gruppe
Distel
Distel

Samstag: 6. Tag - Ausflug

Alschluss mit Sensenschein
Alschluss mit Sensenschein
Besuch beim Bauernhof Nestler
Besuch beim Bauernhof Nestler
Lecker Heidelbeeren
Lecker Heidelbeeren

Sonntag: 7. Tag - Abfahrt

Adieu Goodbye
Adieu Goodbye
Auf Wiedersehen
Auf Wiedersehen