Politik, Konsum und Klimagerechtigkeit – ein Wochenendseminar der BUNDjugend Dresden

Dem Vortrag von Jan Kowalzig wird gespannt gelauscht
Die folgende Diskussion

Welche Auswirkungen hat mein Konsumverhalten auf den Klimawandel? Und was hat das mit globaler Gerechtigkeit zu tun?

Mit diesen Fragen und Themen rund um den Themenkomplex Klimagerechtigkeit beschäftigte sich die BUNDjugend in einem Wochenendseminar vom 25. - 28. Juni 2015.

Als Auftakt lauschten wir dem Vortrag von Felix Ekardt, der mit der Frage, wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz real möglich sind, eine anregende Einführung ins Thema bot: Reicht technische Effizienz aus oder muss ein Jeder selbst an seinem Verhalten etwas ändern? Reicht es aus, ökologische und regionale Produkte aus einer „Wellness-Motivation“ heraus zu kaufen, um sich selber gesünder zu ernähren oder bedeutet die unabdingbar notwendige Verhaltensänderung vielleicht sogar eine noch größere Einschränkung? Felix Ekardt gibt die Antwort, dass Suffizienz nicht die Aufgabe hat, uns glücklich zu machen. Enthaltsamer zu leben, auf den gewohnten Komfort zu verzichten, könnte auch mal weh tun. Das Fazit seiner Argumentation: Suffizienz und Wohlfühlen müssten eine Entkopplung erfahren.

Allerdings betonte Felix Ekardt auch die Handlungspflicht der Politik, die mit der persönlichen Verhaltensänderung jedes Einzelnen Hand in Hand gehen muss: Gesetze, die einen Anreiz für Verhaltensänderungen schaffen und es möglich machen, ökonomisches Denken mit ökologischem einfacher zu verbinden.
Wir näherten uns am Freitag zunächst spielerisch diesem Thema an: angeleitet von Mitgliedern von archeNova e.V. stellten wir im Planspiel „Freihandel“ die COP-Verhandlungen nach und konnten am eigenen Leib nachspüren, unter welchem Zeitdruck häufig Entscheidungen verhandelt und beschlossen werden müssen, welche Staaten wie viel Mitspracherecht und welch unterschiedliches Gewicht sie bei den Verhandlungen haben. Auch im zweiten Spiel schlüpften wir wieder in die Rollen einzelner Staaten und durften versuchen, die Balance zwischen ökonomischem und ökologischem Denken zu finden.

Nach der Vorstellung der Rolle des BUNDs im Klimagerechtigkeitsdiskurs und dem Besuch der Greenpeace-Modenschau im Bärenzwinger am Freitagabend, ging es Samstag Vormittag mit gut gefülltem Magen auf einer theoretischeren Ebene weiter. Jan Kowalzig brachte uns auf anschauliche und ausführliche Art und Weise die Ebenen der Gerechtigkeit im Klimadiskurs näher. Welche Folgen hat der Klimawandel und wen treffen sie am härtesten? Wo bleibt die Gerechtigkeit, wenn die Hauptverursacher am wenigsten Lasten tragen und die least developed countries am stärksten von den Folgen des Klimawandels betroffen sind?

Und wie sieht es mit Gerechtigkeit auf der politischen Ebene aus, wenn die G20-Länder bei den zentralen Verhandlungen am stärksten vertreten sind und am meisten Einfluss genießen?

Rettet diese offensichtlich ungerechte Politik unser Klima? Welche Abkommen wurden geschlossen und wer verpflichtet sich damit wofür? Und wie steht es mit der Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen?

Für die an den Vortrag anschließende Diskussion nahm sich der Referent lange Zeit, um all unsere Fragen zu beantworten und unsere Diskussion zu begleiten und mit weiterem Fachwissen zu ergänzen.

Auch die philosophische Betrachtung des Begriffs „Gerechtigkeit“ kam nicht zu kurz. Am Nachmittag widmeten wir uns in einer freien Diskussion diesem Thema und diskutierten über Chancengleichheit, Mitspracherechte und Autonomie und deren Begrenzungen durch die Freiheit des jeweils anderen. Danach ging's hinaus in die Natur: Im Golgi-Park, dem interkulturellen Garten in Hellerau, wo in Zusammenarbeit von Asylsuchenden und Mitgliedern des Festspielhauses eine brachliegende Grünfläche zum nutzbaren Garten umgebaut wird, nahmen wir ein syrisches Abendessen ein. Daraufhin ließen wir den Abend mit einem Dokumentations-Filmabend im BUND-Büro ausklingen.

 Als Fazit dieses Wochenendes bleibt, was man eigentlich schon weiß: unser konsumorientierter und verschwenderischer Lebensstil befördert den Klimawandel. In der Folge sind insbesondere in den least developed countries die Lebensgrundlagen zunehmend gefährdet. Das Ergebnis: die Verschärfung der globalen Ungerechtigkeit.

Doch von dem Wochenende bleibt noch mehr – mehr Wissen über das Thema Klimagerechtigkeit, mehr Mitgefühl für die einzelnen Schicksalen, die in der Verallgemeinerung des Leids oft nicht thematisiert werden, Fragen nach den notwendigen Veränderungen des eigenen Konsums und der eigenen Einstellungen zu Konsum und Klimapolitik. Welche Wege gibt es, um zumindest der politischen Ungerechtigkeit entgegenzuwirken. Bringt der Klimagipfel COP21 in Paris im November 2015 endlich ein Nachfolgeprotokoll für Kyoto? Werden dort einige der drängenden Fragen geklärt und einige Weichen in die richtige Richtung gestellt?

Die zentrale Frage bleibt aber nach wie vor: Wie kann ich selbst zu einem positiven Wandel beitragen?

 

3.8.2015, Karla Kienzle